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Grundrechte müssen auch in der Krise gelten und zwar für alle!

Rede im Bundestag

Grundrechte müssen auch in der Krise gelten und zwar für alle!

Maßnahmen zur Bekämpüfung von Covid-19 mit Wahrung der Grundrechte sind für DIE LINKE selbstverständlich. Denn ohne Grundrechte wie Demonstrationsfreiheit und Meinungsfreiheit gelingt keine gesellschaftliche Gestaltung!

Rede im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Grünen und auch die FDP wollen mit ihren Anträgen Maßnahmen zur Bekämpüfung von Covid-19 mit Wahrung der Grundrechte verbinden. Dieses Anliegen teiilt meine Fraktion. 

Ich möchte daher feststellen, nach den Eilmaßnahmen zur Bekämpfung des Virus zu Beginn der Krise, ist es jetzt absolut erforderlich, dass wir als Parlament alle Eilmaßnahmen auf ihre weitere Berechtigung überprüfen und dann auch schrittweise zurücknehmen. Gerade wir als LINKE haben eine historische Lehre verinnerlicht: Ohne Grundrechte wie Demonstrationsfreiheit und Meinungsfreiheit gelingt keine gesellschaftliche Gestaltung!

Darum muss um die Bewahrung unserer Grundrechte immer wieder neu gerungen, gegen autoritäre Denkmuster verteidigt, aber auch aktiv demokratisch wahrgenommen werden. Deshalb müssen nicht die Maßnahmen der Lockerung gerechtfertigt werden, sondern die Aufrechterhaltung der Beschränkungen der Grundrechte.

Wie in Krisen üblich genießen Verschwörungsideologien derzeit leider Hochkonjunktur. Menschen befrieden ihr Unsicherheitsgefühl durch vermeintlich einfache Erklärungen. Wir brauchen jetzt dringend Bemühungen, die dem entgegenwirken, die über das bloße Verlachen von deren Anhängerinnen und Anhängern hinausgehen.

Zu den vorliegenden Anträgen möchte ich auf der Basis des bisher gesagten folgende Anmerkungen machen:

Wir LINKE fordern in der Krise sehr bewusst an alle zu denken, die sich nicht ausreichend selber schützen können.

Dazu zählen für uns auch die in Haftanstalten einsitzenden Gefangenen. Und darum fordern wir, dass Ersatzfreiheitsstrafen ausgesetzt werden, der Antritt von Freiheitsstrafen von unter 3 Jahren sollte aufgeschoben werden, es sei denn es gibt dringende Haftgründe, Jugendarrest sollte aktuell grundsätzlich ausgeschlossen werden und die wichtigen Besuchsverbote in den Haftanstalten sollen durch geeignete Maßnahmen abgefedert werden.


In Bezug auf die Vorschläge zu den Gerichtsverfahren kann ich mich als Richter nicht damit einverstanden erklären, dass die Möglichkeit geschaffen wird ehrenamtliche Richterinnen und Richter lediglich per Videoschalte an Verhandlungen teilnehmen zu lassen. Dieses verkennt die Bedeutung des Grundsatzes der mündlichen Verhandlung und die Bedeutung der ehrenamtlichen Richter.

Ein weiterer Punkt der höchste Aufmerksamkeit verdient ist die Corona-App. Für uns als LINKE sind hier vier Punkte nicht verhandelbar. Wir fordern:

  1. Klare Freiwilligkeit
  2. Transparente Entwicklung
  3. Ein gesetzliches Beweiserhebungs - und Verwertungsverbot für evtl. gerichtliche Verfahren
  4. Die Beteiligung des Parlaments zur Durchführung einer parlamentarischen Kontrolle


Ich kann leider nicht auf alle Punkte hier eingehen, möchte aber noch einen mir wichtigen Aspekt benennen:

Auch die Frauenhäuser sind finanziell seit langem zu schlecht ausgestattet. Die Krise hat auch zu einem besorgniserregenden Anstieg häuslicher Gewalt geführt. Daher ist die Forderung nach einem Notfallfonds hier völlig richtig. Darüber hinaus müssen wir aber gesellschaftlich eine Debatte über häusliche Gewalt führen. Hier muss hingeschaut werden!

Vielen Dank!

 


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